Der Morgen begann auf dem wunderschönen Biobauernhof zwischen uralten Eichen und Buchen. Zum ersten Mal war die Sonne schon früh richtig da, die gewaschene Wäsche trocknete und überall zwitscherten Vögel. Zwischen Zelten, Bauwagen und Kaffee starteten wir ziemlich friedlich in den Tag.
Unser erstes Ziel war eine Windkraftanlage. Weil nicht alle gleichzeitig hochkonnten, teilten wir uns in Gruppen auf. Die erste Gruppe fuhr etwas früher los — ohne Polizeibegleitung, aber als geschlossener Fahrradverband auf der Straße. Das lief insgesamt gut, aber leider nicht immer entspannt: Ein Auto überholte viel zu knapp und zog viel zu früh wieder rein. Einige von uns mussten scharf bremsen, der Gegenverkehr auch. Zum Glück ist nichts passiert, aber solche Situationen bleiben im Körper.
Nach einer Pause passierte dann etwas, das man nicht planen kann: Jemand kam von gegenüber und sagte, er habe ein Fahrradmuseum. Also gingen wir rein — und standen plötzlich auf einem Hof voller alter Stahlräder im Scheunenlicht, netter Menschen und überall herumlaufender Kaninchen. Es gab Kaffee, eine Open-Air-Bühne mit Musikinstrumente an den Wänden und diesen besonderen Charme von Orten, die über viele Jahre gewachsen sind.
Manche nutzten die Pause zum Turnen, andere schauten sich die Fahrräder an oder liefen einfach staunend über den Hof. Am Ende wurde daraus eines dieser kleinen unerwarteten Highlights, die nur unterwegs entstehen.
Danach ging es weiter zur Windkraftanlage. Von unten sah sie schon groß aus, aber als wir hörten, dass sie 85 Meter hoch ist, wurde der Aufstieg noch einmal beeindruckender. Sechzehn Leitern ging es nach oben, durch enge Klappen, vorbei an Stahl und Kabelsträngen. Oben war es heiß, eng und ziemlich besonders.
Zwischen Antriebswelle, Generator und Mechanik wurde erklärt, wie die Anlage funktioniert und wie die Rotorblätter in den Wind gestellt werden. Windkraft ist sonst oft ein politisches Thema, eine Zahl, ein Symbol — aber dort oben steht man plötzlich mitten in dieser riesigen Maschine und spürt, wie konkret Energiewende sein kann.
Natürlich wurden Banner gehalten, Ansagen aufgenommen, Fotos gemacht und Drohnenvideos gedreht. Die Stimmung oben war richtig gut, die Aussicht weit, die Gesichter glücklich. Runter mussten wir leider wieder klettern — abseilen wäre eindeutig die schönere Variante gewesen.
Weil immer nur wenige Menschen gleichzeitig hoch- und runterkonnten, verbrachten wir am Ende mehrere Stunden dort. Dabei war es heiß – der Sommer ist endgültig angekommen. Die Strecke danach zog sich, und wir fuhren weiter Richtung Vechta und Lohne, wo Kundgebungen stattfanden.
Unser Schlafplatz lag heute auf einer Wiese neben einem Schützenverein. Nebenan feierte jemand 60. Geburtstag mit Schlagermusik, während wir unser Lager aufbauten. Inzwischen sind wieder mehr Menschen dabei, vermutlich auch, weil Wochenende ist.
Die Stimmung hier fühlte sich anders an als im Alten Land oder um Bremen herum. Mehr laute Autos, mehr Motorräder, mehr „mir doch egal“-Energie. Auch bei den Kundgebungen lag etwas mehr Spannung in der Luft. Gleichzeitig zeigte sich wieder: Menschen lassen sich nicht so einfach einsortieren.
Ein paar Jugendliche wirkten erst provozierend, kamen dann aber mit Menschen aus unserer Gruppe ins Gespräch. Und plötzlich erzählten sie selbst, dass sie es problematisch finden, wie stark Rechte und AfD in der Gegend werden. Manchmal braucht es eben genau das: nicht sofort zurückschrecken, sondern miteinander reden.
Genau das macht diese Tour aus. Wir fahren nicht einfach durch Deutschland, wir spüren es. Auf dem Fahrrad sitzt man nicht hinter Glas und Blech, sondern ist direkt auf der Straße, in der Landschaft, in den Orten. Man hört, riecht, sieht und fühlt, wo Menschen winken, Kaffee anbieten und ihr Fahrradmuseum öffnen — und wo die Luft rauer ist.
Heute war ein Tag mit Sonne, alten Rädern, Kaninchen, 85 Metern Windkraft, gefährlichen Überholmanövern, Kundgebungen, neuen OKNB-Gesichtern und vielen Gedanken darüber, wie unterschiedlich dieses Land sein kann.
Morgen fahren wir weiter.