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Ankommen


Die Anreise gestaltete sich bereits als erste kleine Generalprobe für die kommenden Tage. Zwischen Schienenersatzverkehr, überfüllten Feiertagszügen und dem scheinbar revolutionären Konzept „Fahrräder sind heute leider nicht erlaubt“ wurde schnell klar: Wer klimafreundlich reisen will, braucht starke Nerven, gute Regenkleidung und eine gewisse Bereitschaft zum Abenteuer. Besonders kreativ war die Bahn bei der Kombination aus „Fahrradmitnahme ausgeschlossen“ und „Bitte nutzen Sie alternativ den Bus“. Dass in besagtem Bus natürlich ebenfalls keine Fahrräder mitgenommen werden konnten, rundete das Erlebnis angenehm absurd ab.

Auch die Polizei zeigte früh Interesse an der Aktion. Zwei Menschen wurden bereits auf der Anreise mit ihren geschmückten Fahrrädern samt Schildern und Fahnen angehalten und gefragt, woher sie kommen und wohin sie wollen. Offenbar gelten Fahrräder mit politischen Botschaften inzwischen als hochverdächtige Spezialfahrzeuge. Auch wurden unsere Schlafplätze der kommenden Tage schon einmal inspiziert.

Der restliche Tag bestand dann vor allem aus klassischer Bewegungslogistik: Lebensmittel organisieren, Protestmaterial zusammensuchen, herausfinden wie Camping Gas Automaten funktionieren und erfahren das Gasbohrtürme auch wenn sie zum aufblasen sind groß und schwer sind.

Eine Person war bereits einen Tag früher angereist und hatte versucht, ihre Ankunft vorher beim Schlafplatz anzukündigen. Da dort allerdings offenbar gerade niemand die Mails gelesen hatte, blieb kurz unklar, ob das funktionieren würde. Am Ende stellte sich das aber als völlig unkompliziert heraus – Manchmal funktioniert solidarische Infrastruktur eben auch ohne perfekte Kommunikation erstaunlich gut. An unserem Schlafplatz wurden wir sehr herzlich empfangen. Besonders beliebt war schnell der gemütliche Aufenthaltsraum mit Ofen, der bei den kalten Temperaturen und dem Hambuger Schietwetter natürlich sofort zum Mittelpunkt wurde. Schlafpensum des Orga-Teams bewegte sich irgendwo zwischen „gerade noch verantwortbar“ und „vier Stunden reichen theoretisch auch“. Nach dem Plenum ist vor dem Plenum.

Wichtige Lektion über Mietwagen von Sixt: Wenn der Abholtermin geändert wird, kann sich offenbar spontan die gesamte Fahrzeugkategorie verwandeln. Revolution ja, Planungssicherheit eher nein.

Trotz aller kleinen Katastrophen, Improvisationen und Bahn-Momente war die Stimmung hervorragend. Wenn Menschen gemeinsam unterwegs sind, sich gegenseitig unterstützen und auch im größten Organisationschaos noch lachen können, dann befindet ihr euch auf einer Protest Fahrradtour.

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