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Datteln 4


Die Tour startete lautstark an der B-Side in Münster. Bei sommerlichen 30 Grad und praller Sonne ging es über die Landstraße voran. Die wohlverdiente Mittagspause im Schlosspark Nordkirchen bot Raum für viele gute Gespräche mit interessierten Passant*innen. Nach rund 50 Kilometern folgte eine kurze Kundgebung in Datteln, bevor die Gruppe das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 ansteuerte.

Der Empfang am Kraftwerk, das heute einem tschechischen Konzern gehört, war deutlich präsenter als noch beim Tour-Besuch im Jahr 2020: Statt zwei Fahrradcops warteten drei Wannen mit Polizei in Vollmontur. Doch statt das Kraftwerk zu besetzen oder abzureißen, gaben wir uns mach Tourkonsens mit einer friedlichen Kundgebung zufrieden. Nach einer kurzen Rede wurden Pressebilder mit Banner gemacht. Obwohl der Kohleausstieg bis spätestens 2038 beschlossen ist, droht die fossile Politik der CDU das Erreichte zurückzudrehen. Umso absurder ist es, nun Milliarden in Erdgas als vermeintliche „Brückentechnologie“ zu stecken, statt direkt auf Erneuerbare zu setzen. Die Forderung ist klar: Ein vorgezogener Kohleausstieg und kein fossiler Gas-Einstieg! Rückschritte akzeptieren wir nicht!

Weiter ging es zur Kundgebung nach Oer-Erkenschwick. Hier standen die Fragen einer sozialgerechten und kostengünstigen Energiewende im Fokus. In unserer Rede und in Einzelgesprächem mit Passant*innen wurde diskutiert, wie der Umstieg auf Wärmepumpen für alle bezahlbar gestaltet und wie ein Klimageld als sozialer Ausgleich gezielt unterstützen kann.

Das Tagesziel war der Verein Blumenthal 7 in Recklinghausen. Die Anlage am Schacht 7 ist das einzige komplett erhaltene Zechengelände der Stadt und zeugt von der über 110-jährigen Bergbaugeschichte. Die Vision vor Ort: Das Denkmal erhalten und im Do-it-yourself-Geiste als offene Werkstatt sowie Raum für Kunst, Kultur und Vereine zukunftsorientiert nutzen.

Eine Besonderheit vor Ort wirft auf den ersten Blick Fragen auf: Unter dem Gelände befinden sich alte Bergstollen, in denen sich natürliches Grubengas (Methan) sammelt. Um zu verhindern, dass dieses extrem klimaschädliche Gas unkontrolliert entweicht, kooperiert der Verein mit einer Firma, die das Gas absaugt und verbrennt, was den Verein teilweise finanziell trägt. Für eine „Exit Gas“-Tour wirkt das paradox, zeigt aber eine bittere Realität: Ressourcenabbau hinterlässt Ewigkeitslasten. Die Verbrennung ist hier eine notwendige Schadensbegrenzung, um Schlimmeres zu verhindern. Das verdeutlicht einmal mehr: Nur dezentrale, erneuerbare Energien ersparen kommenden Generationen solche jahrzehntelangen, teuren Altlasten.

Morgen steht die letzte Etappe an: Das große Ziel, das Klimacamp in Hamm, ist fast erreicht!

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